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Weisheitsgeschichte: Der Fischer und der Manager

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Liebe Freunde meines Blogs ….
Gerne stelle ich Euch heute wieder ein neues Märchen, eine Weisheitsgeschichte vor. Hoffentlich gefällt sie Euch.

Die Menschen verstehen die Welt in den Weisheiten der Geschichten, die erzählt werden. In diesem Blog erscheinen regelmäßig inspirierende und spannende Fabeln, Märchen und Weisheitsgeschichten. Es sind in Kurzgeschichten verpackten Weisheiten, die wertvolle Impulse für den Alltag geben und die in wenigen Worten das Wesentliche einprägsam auf den Punkt bringen. Sie entstammen von berühmten Persönlichkeiten, Dichtern und Denkern – wie Aesop, Jean de la Fontaine, Leo Tolstoi, Gotthold Ephraim Lessing, Ludwig Auerbach oder auch Leonardo da Vinci usw. Verwende den Blog als spannende, erheiternde und anregende Sammlung für den privaten Bedarf.
Neben den zahlreichen Weisheitsgeschichten findest Du auch immer wieder eine Vielzahl von Artikeln und Essays, welche dazu anregen, hin und wieder auch einmal nach Herzenslust lachen zu können. Witzig, kreativ, ungewöhnlich. Die Beiträge wollen Bewusstsein wecken für mehr Heiterkeit, für mehr Freunde und Spaß an Leben und Beruf und dazu anregen, die Dinge nicht immer allzu ernst zu nehmen und Dir somit ein charmantes, nachdenkenswertes, aber auch amüsantes Lesevergnügen bereiten. Er möchte jenes zauberhafte Gefühl vermitteln, das einem widerfährt, wenn einem am Ende des Beitrags so zumute ist, als hätte man einen Freund gefunden!
Zu jedem Blogbeitrag erscheint das dazugehörige Bild – welches, wenn es Dir gefällt – Du als hochwertigen Druck/Reproduktion mit oder ohne Rahmen in verschiedenen Formaten beziehen kannst – unter www.bilder-poster-poesie.de
Und falls Dir der Blog gefällt, wäre ich für eine Weiterleitung, Teilung usw. dankbar.

Für mich ist die Geschichte wirklich symbolisch. Wir haben immer das Gefühl, dass wir jetzt Geld verdienen müssten, um dann irgendwann das tun zu können, was wir eigentlich tun wollen. Warum aber überlegen wir uns stattdessen nicht lieber, wie wir JETZT schon das tun können, was uns erfüllt… ohne dafür den Umweg über viel Arbeit und viel Geld nehmen zu müssen!

Hier nun die Geschichte in Bild und Wort:

 

Der Fischer und der Manager

Nach viel getaner Arbeit hatte ein gestresster Manager seinen Urlaub wohlverdient und plante,
einige Wochen auf einer fernen einsamen Insel auszuspannen. Keine Hektik, kein Stress, keine nervigen Kunden, keine Vertreterbesuche… Nur Sonne. Meer. Voila!
Eines Tages steht er in seinem Urlaubsdorf am Pier und bemerkt, wie ein kleines Fischerboot in den Wogen dümpelte. Wie zu sehen war, hatte es einen schönen Fang gehabt, mit vielerlei Makrelen und weiteren Meeresfischen. Sogar einige riesige Thunfische waren mit dabei. Der Fischer selbst lag seelenruhig in einer Ecke seines Bootes und döste vor sich hin. „Gratulation!“ sagte der Manager. „Heute scheint ein wunderschöner Tag zu sein um Fische zu fangen.“ Und weiter: „Ich will mich zwar nicht in Ihre Angelegenheiten mischen, aber es gibt noch viel mehr
da draußen. Wenn Sie heute noch mal hinausfahren, vielleicht sogar ein drittes oder viertes Mal, dann könnten Sie ein Mehrfaches des jetzigen Fanges an einem Tag erreichen.“
Der Fischer antwortete: „Nein, danke. Die Fische reichen aus, um mich und meine Familie für die nächsten Tage zu versorgen.“
„Aber bedenken sie,“ entgegnete der Manager nochmals „wenn Sie jeden Tag drei bis viermal hinausfahren und so immer mehr Fische fangen, wissen Sie denn nicht, was dann wäre?“
Der Fischer schüttelte den Kopf. “Sie hätten nach spätestens einem Jahr so viel verdient, dass Sie sich ein neues Boot kaufen könnten.
Vielleicht sogar ein zweites oder drittes. Sie könnten Leute einstellen die für Sie arbeiten. Glauben Sie mir, ich habe Management studiert, da kenne ich mich aus.“
Der Fischer hörte nur ungläubig zu.
„Sie könnten sich nach einer Weile ein richtig großes Fangschiff leisten, vielleicht sogar eine ganze Flotte. Sie könnten ein Kühlhaus bauen, eine Fischräucherei. Hernach diverse Fischfangrechte erwerben und dann sogar ein Fischrestaurant eröffnen, ja sogar eine ganze Restaurantkette. Ihre Hummer könnten Sie direkt nach Paris exportieren. Sie könnten eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Hunderte von Leuten könnten für Sie arbeiten. Die Produktion, Verarbeitung und Vertrieb in eigener Hand steuern. Ihre Firma wird größer, sie wird ein ganzes Imperium und Sie könnten an die Börse gehen. Dann sind Sie ein gemachter Mann. Stellen Sie sich das mal vor.“ Der Manager war so in Begeisterung, dass es ihm fast die eigene Sprache verschlagen hätte.
„Und wie geht die Sache weiter?“ fragte der Fischer. „Guter Mann“, antwortete der Manager. „Sie könnten Millionen verdienen.
Nach ein paar Jahren haben Sie dann soviel Geld verdient, dass Sie aufhören können zu arbeiten. Könnten dieses kleine Fischerdorf verlassen und sich irgendwo eine riesige Villa hinstellen.
Dort lassen Sie den lieben Gott einen guten Tag sein und könnten dösen und ausspannen. Sie schlafen morgens lange aus, gehen ein bisschen fischen, machen Fiesta und setzen sich mit einem Gläschen Wein an den Pier und blicken auf das herrliche Meer hinaus.“
Der Fischer klopfte dem Manger freundschaftlich auf die Schultern und entgegnete:
„Mein lieber Freund, – alles, was du mir soeben in den schillerndsten Farben erzählt hast, habe ich dies nicht schon erreicht?
All das tue ich jetzt schon. Mit meinem jetzigen Fang habe ich meine heutige Arbeit getan. Siehe, ich mache ja schon Siesta, liege in meinem Boot in der Sonne und döse vor mich hin.
Heute abend werde ich ein Gläschen Wein genießen und auf das herrliche Meer hinausblicken.“

Der Manager, welcher geglaubt hatte er arbeite, um eines Tages nicht mehr arbeiten zu müssen, dachte lange über diese Sache nach. Schließlich zog er von dannen, und musste zugeben, dass sich in seinem Innersten doch ein ganz kleines bisschen Neid eingenistet hatte.