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Weihnachtsgeschichte: Die kleinen Leute von Xanadu

Sonntags (also heute) – eine schöne Weisheitsgeschichte

Hier nun die Weihnachtsgeschichte zum Thema in Bild und Wort:

Die kleinen Leute von Xanadu

Vor langer Zeit lebten einmal in einem Ort namens Xanadu viele kleine Leute. Alle waren sie sehr glücklich, lebensfroh und hatten stets ein Lächeln auf den Lippen. Überall im Lande nannte man sie einfach die fröhlichen „Xanaduler“.
Die Xanaduler hatten die Angewohnheit, sich zur Begrüßung und wann immer sie sich trafen, kleine flauschige Herzchen zu schenken. Diese gingen auch nie aus. Denn je mehr ein Xanaduler seine kleinen flauschigen Herzchen verschenkte, desto mehr bekam er auch zurück.
Diese Gepflogenheit bedeutete so viel wie:
„Ich mag dich!“ Oder auch: „Schön dass es dich gibt!“
Jeder Xanaduler mochte jeden und das war der Grund, warum sie immer so frohgelaunt waren.

Weit außerhalb des Ortes lebte ein immer missgestimmter kleiner Zwerg in einer Höhle und er fühlte sich sein ganzes Leben lang einsam. Es war ihm fremd und daher fand er es auch dumm, sich gegenseitig kleine Herzchen zu schenken. Sogar wenn ihm ein Xanaduler eines schenken wollte, lehnte der mürrisch ab.

Eines sonnigen Tages traf es sich, dass ein besonders froh gestimmter Xanaduler wieder mal den Zwerg traf und ihn mit den Worten: „Hallo, schönen guten Tag, ist heute nicht ein wunderbarer, sonniger Xanaduler-Tag?“ begrüßte und übergab ihm gleichzeitig ein besonders flauschiges Herzchen.
Der wieder mal brummig aufgelegte Zwerg erkannte seine Chance, blickte kurz in den Rucksack des Xanadulers, fasste ihn freundschaftsvoll am Arm und flüsterte ihm ins Ohr:
„Eigentlich solltest du aufpassen. Du hast nur noch hundert Herzchen in deinem Rucksack. Wenn du deine Herzchen weiter so großzügig und kameradschaftlich an alle verschenkst, dann hast du bald keine mehr!“
„Aber meine Herzchen sind noch nie ausgegangen. Wenn ich welche weggegeben habe, habe ich auch immer wieder welche bekommen,“ erwiderte der Xanaduler.
„Na, dann pass mal schön auf deine Herzchen auf“, grinste der Zwerg und verschwand im Wald.

Noch etwas verdutzt von dem momentanen Geschehen stand der Xanaduler da, als ein Freund des Weges kam und ihm in der üblichen Sitte ein Herzchen schenkte. Aber der Beschenkte reagierte nicht wie sonst.
Was hatte der Zwerg gesagt? Sparsam damit umgehen?
So nahm er das Herzchen an, aber gab keine Gegengabe. Lediglich versehen mit dem Rat: „Verschenke auch du deine Herzchen nicht so leichtsinnig. Sie könnten dir eines Tages ausgehen!“
Dieser Rat verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Ort und so wurden die kleinen flauschigen Herzchen nur noch selten verschenkt und wenn überhaupt, dann erst nach reiflicher und gründlicher Überlegung. Jeder hütete seinen Herzchen-Vorrat wie einen wertvollen Schatz.
Sie wurden aus Sicherheitsgründen daheim in allen möglichen Ecken versteckt, unter dem Bett, auf dem Dachboden usw. nur, damit ja immer ein genügender Vorrat im Hause war. Mit der Zeit führte dies sogar zu nächtlichen Überfällen und immer mehr Herzchen wurden gegeneinander gestohlen.

Niemand in dem kleinen Ort Xanadu begrüßte sich mehr, jeder ging seiner Wege – und keiner hatte mehr ein fröhliches Wort für den anderen übrig. Ihr Herz wurde ebenso mürrisch und misslaunig wie das des grantigen Zwerges.

Erst nach langer Zeit, als ein kleines Xanaduler-Kind, welches nichts von dem damaligen Zwergen wusste, wieder einmal ein Herzchen verschenkte, begannen auch die anderen Bewohner wieder, wie früher, kleine, flauschige Herzchen zu verschenken. Es dauerte nicht lange, und sie bemerkten, dass diese auch nicht ausgingen, ganz im Gegenteil, sie bekamen in großzügiger Weise immer wieder welche zurück. In ihren Herzen wurde es wieder warm, sie konnten wieder fröhlich sein und lächeln; – auch wenn die Traurigkeit und das Misstrauen nie mehr ganz aus ihrem Innern verschwanden.

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Bildentwurf, Graphik und Copyright by: Richard Hauck
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