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Rangstreit der Tiere

Seit Urzeiten lebten die Tiere friedlich und genügsam auf der Erde. Jede Gattung hatte ihren Platz und jede ward mit sich und der ihr zugewiesenen Rolle zufrieden. Doch eines Tages entstand ein heftiger Streit unter den Tieren darüber, wer von ihnen wohl der wertvollere sei. Daher sprach das Pferd: „Lasset uns den Menschen zu Rate ziehen. Er ist von keiner streitenden Gattung und kann uns wohl am besten und unparteiisch seine Meinung kundtun.“ „Aber hat denn dieser auch den Verstand dazu?“ entgegnete der Maulwurf, „denn dies ist eine folgenschwere Entscheidung. Es braucht hier wirklich den feinsten Verstand, damit auch alle unsere Fähigkeiten, Vorzüge und Talente erkannt werden.“ „Bravo!“ rief der Igel und fuhr fort: „Ich weiß nicht, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Mensch hier genug Scharfsinnigkeit und Urteilsvermögen besitzt.“ „Schweig!“ befahl das Pferd. „Wir wissen sehr wohl, dass derjenige, der am wenigsten von einem Urteil profitiert, die Einsicht seines Richters in Zweifel zieht.“ Also ward der Mensch Richter und sein Wort sollte Geltung besitzen.

„Warte,“ rief der majestätische Löwe und sprach zum Menschen: „Bevor du uns deinen Richterspruch verkündest; – wonach, Mensch, willst du unseren Wert bestimmen?“ „Nach welcher Regel?“ „Natürlich nach der, in welchem Grad ihr Tiere uns Menschen am meisten nützlich seid!“ „Na prima, das wird ja ein vortrefflicher Spruch werden,“ entgegnete der Löwe, welcher schon ahnte, was auf ihn zukommen sollte; – „wenn es danach ginge, wie weit würde ich wohl unter einem Esel oder einem Hund zu stehen kommen. Du kannst nicht unser Richter sein. Gehe daher deiner Wege.“ So kam es, dass der Mensch sich entfernte. „Nun“, sprach der Maulwurf mit Blick zum Pferd „auch der Löwe meint, dass der Mensch nicht unser Richter sein kann. Er ist der gleichen Meinung wie wir.“ „Aber gewiss aus anderen Gründen!“ tönte der Löwe zum Maulwurf.

Und fuhr fort: „Es ist mir gleichgültig, für wen ihr mich haltet. Ob für den Höchsten oder den Geringsten unter euch. Der ganze Streit ist ein unnötiger Streit. Ich kenne mich. Ich kenne meine Stärke, meine Bedeutung, meine Kraft und meine Leistungsfähigkeit,“ und verschwand aus der Versammlung. Diesem folgte der tapfere Elefant, der furchtlose Tiger, das mutige Nashorn, die stolze Giraffe, der mächtige Bär, der kluge Fuchs, das erhabene Pferd und alle, die um ihren Wert und Geltung wussten. Schlussendlich übrig geblieben waren der Affe und der Esel, welche sich auch am meisten über die zerrissene Versammlung beklagten.

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